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Kategorie: News (Seite 6 von 26)

Juni 2020

Der Wonnemonat Mai hat uns die Lockerungen im Juni gebracht. Langsam versuchen alle eine neue Normalität mit Corona in die geschäftlichen und privaten Tagesabläufe und Rituale zu bringen. Was heruntergefahren wurde, muss jetzt wieder hochgefahren werden.

Die Menschen sind weltweit in den letzten 75 Jahren kaum je über eine so lange Phase so wenig gereist. Sie haben anderseits kaum je so intensiv und nur auf ein Thema fokussiert Informationen produziert, getauscht und verglichen. Dieser rasante Austausch ist im Nachhinein nun Fundus, um die Qualität dieser Informationsflut zu analysieren. Ich möchte hier nur auf das Beispiel von Statistiken hinweisen. Statistiken und Grafiken sind auch in weniger hektischen Zeiten eine Herausforderung. Also, wen wunderts, dass nun diese in der Kritik stehen. Es fehlte meist schlicht an nachvollziehbaren und korrekten Datenbezügen, welche garantiert hätten, dass sich eilige Leser mit den Grafiken sachlich hätten informieren können.

Es ist zu früh, um Noten zu verteilen. Das hochgefahrene Krisenmanagement war auf dynamisch eintreffende Daten, Fakten und deren Experteninterpretationen angewiesen, war eindrücklich und in einem so hohen Tempo anleitend, dass für Volks-Reflexion kaum Raum blieb. Die Bilder von Italien haben den Worten der Verantwortlichen Gewicht gegeben – haben diese in die Köpfe transportiert.

Obwohl die offizielle Botschaft nie absolut formuliert wurde, hat sich der Begriff lock down eingegraben und der passendere shut down konnte erst gegen Ende der ausserordentlichen Lage etabliert werden. Das war wichtig, denn nur so konnte die Konzentration auf die notwendigen Schritte hin zur besonderen Lage gelenkt werden, denn jetzt muss das was (shut down) heruntergefahren wurde, wieder (start up) hochgefahren werden und zwar wieder mehrheitlich in der Kompetenz der Kantone.

Der Dienstagsclub hat am sechszehnten Juni mit einer Expertenrunde analysiert, welchen Beitrag der Journalismus oder die Legislative in welchen Zeitfenstern geliefert hat oder hätte liefern müssen. Eine äusserst spannende Frage führte zu einer nicht ganz ernst gemeinten Note 4.5. Beindruckt haben mich die herauskristallisierten Merkmale einer soliden Medienarbeit in normalen, wie auch in besonderen Zeiten. Demnach sollen die Quellen solide, die Fakten professionell recherchiert, die Erwägungen personifiziert und die Argumente ausgewogen sein. Zudem sollen die Bewertungen als solche benannt, die Ungewissheiten aufs Tapet gebracht und die Ohnmacht aufgezeigt werden. Gesagt wurde auch, dass die mündige Öffentlichkeit ein Anrecht hätte, dass sich die Medien in einem gewissen Masse bemühen müssten, den Wahrheitsanteil und den Lügenanteil von relevanten Fak-News und Verschwörungstheorien aufzuzeigen.

Noldi Hess

April 2020

CORANA gibt uns Denkaufgaben. Unantastbare Werte stehen plötzlich zur Disposition. Die Exekutivbehörde sieht sich in die Führungsrolle gedrängt, ohne dass sie diese gesucht hat. Die Legislative befindet sich im politischen Timeout und die Journalisten multiplizieren im Halbstundentakt aktualisierte Exekutiventscheidungen. Ihre sonst kritische Distanz ist ausgedünnt. Karin Keller Suter sagte in einem Zeitungsinterview auf die Frage, wann wir wieder ausreisen könnten, dass dies nie verboten war, doch stelle sich die Frage, ob man uns im Ausland einreisen lasse.

Dieser unerwartete Wechsel der Perspektive verblüfft. Wir halten für selbstverständlich, wenn wir uns erlauben auszureisen, dann können wir. Reisen ist jedoch eine partnerschaftliche Frage. Um die hauchdünne Linie einer Grenze zu überschreiten, braucht es zwei Zusagen. Ich denke diese Erkenntnis lässt sich auf vieles übertragen, was uns in diesen Wochen zu denken gibt. Die Wissenschaft kann noch so viel wissen, wenn ihre Botschaft reisen darf, heisst das noch nicht, dass diese auch angenommen wird. Das gleiche gilt für die Politik. Auch wenn alle frei reden dürfen, heisst das noch lange nicht, dass davon etwas irgendwo ankommt. Zauberworte in der CORONAZEIT – achtsam, gemeinsam, diszipliniert – mutieren zu Werkzeugen im Umgang mit den neuen Sensibilitäten. Wir erleben eine Flut von Informationen mit ausführlichen Begründungen bis hin zu Anordnungen, welche gleichzeitig als Empfehlung abgeschwächt werden und dennoch kann es zu Bussen kommen.

Wir dürfen hoffen, dass innovative Ideen Gehör finden, dass uns diese auf einen neu justierten Pfad bringen und dass uns dieser gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg bescheren wird. Die Zeichen stehen gut.

Pfad der Hoffnung auf die Zeit nach „CORONA“ – Bild noldihess

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