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Autor: Noldi Hess (Seite 4 von 26)

Januar 2021

Was darf ich hoffen – wem kann ich trauen?

Die Führungselite einer Firma will Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft vermitteln. Sie will Mehrwert für Kunden und Aktionäre schaffen. Die Elite sucht das allseitige Vertrauen und die ehrenvolle Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Rothenburger Güterstrasse mit Panoramablick – Foto Noldi Hess

Verwaltungsräte pflegen mit ihren Chief Exekutive Officer eine vertrauensvolle Beziehung und ziehen am selben Strang: Ein fragiles Konstrukt? Verwaltungsräte oder deren Präsidien (VRP) beziehen eine angemessene Entlöhnung zuzüglich steuerfreier Spesen aufgrund selbst erlassener Reglemente. Sie tragen die Verantwortung. Ein Chief Exekutive Officer (CEO) erhält einen tieferen Gehaltsansatz, weil er grosse Geschäfte nicht alleine unterzeichnen und seine Entschädigung nicht selbst regeln darf.

Derzeit lässt ein Fall aufhorchen. Die Bank mit dem Slogan «Wir machen den Weg frei» ist wegen (eventuellem) Fehlverhalten ihres früheren CEO gefordert, einen Reputationsschaden abzuwenden. Zeitungsleserinnen und Leser erfahren, dass offenbar unklar ist, wer bestraft werden soll, wenn Richter aufzeigen, dass der CEO Geld für etwas Unrechtes ausgegeben hat? Die Anwälte des CEO kommen zum Schluss, dass dieser nichts Unrechtes getan habe, weil der VR diese Ausgaben unterzeichnet habe. Ergo läge die Straftat beim VR, welcher diese mit seiner Unterschrift legitimiert habe. Indessen argumentieren die Anwälte des VR anders: Ein VR vertraut beim Visieren dem CEO, dass dieser nur unterzeichnen lässt, was rechtens ist.

Seit Jahren begründen Unternehmen grosse Erfolge mit der Pflege eines soliden Vertrauensverhältnisses auf der elitären Ebene: Sie trauen sich gegenseitig!

Mit diesen Gedanken will ich weder richten noch entschulden. Dieser Fall hätte augenzwinkernd weitern Stoff zum nachdenken. Angenommen, der Besuch eines Etablissements gehört zu den legitimen Bedürfnissen, es kommt zu intimen Begegnungen im gegenseitigen Einvernehmen mit guter Bezahlung und es kommt zu ordentlichen Abgaben an die Sozialwerke und Steuerämter: Was ist in einer liberalen Gesellschaft in rechtlicher Hinsicht dagegen einzuwenden? Ein «Top CEO» soll ja belohnt werden.

Bleibt also nur noch die Frage, darf die Elite einer Firma mit ihrem Geld aus Entlöhnung und steuerfreien Spesen machen was sie will? Solche Fragen beantwortet sich die Elite meist in ihrem «Corporate Governance» selbst.

Zitat: «Corporate Governance» Regelungen haben grundsätzlich die Aufgabe, durch geeignete rechtliche und faktische Arrangements die Spielräume und Motivationen der Akteure für opportunistisches Verhalten einzuschränken.

Gable Wirtschaftslexikon

Dezember 2020

Vertrauen – Schlüssel zur aktuellen Krise?

Nur wer aktiv zuhört kann Erkenntnisse gewinnen. – Wie objektiv solche Erkenntnisse sind, hängt davon ab, wie Erzählende emotional betroffen und auf den Zuhörenden zugeschnitten, moderieren – so zu sagen eine neue Wahrheit schaffen.

Metapher zu den Rezepten in der Krise – Nebelmeer Seebodenalp

Viel übereinstimmende Erzählungen zu einem Sachverhalt führen zur Überzeugung – wahr. Im Idealfall werden Entscheidungen basierend auf erfahrener, reflektierter Vergangenheit getroffen.

Im Umgang mit Corona fehlt diese eine Wahrheit. Entscheidungsträger müssen andere Quellen heranziehen. Damit eröffnet sich die Chance, die Wissenschaft näher zur Politik zu holen. Wissenschaft, deren Ursprung im antiken Griechenland liegt, erarbeitet im Normalfall Thesen aufgrund von empirischen Beobachtungen. Sie formuliert was Ist, pflegt dabei Selbstzweifel und sucht nach Widerlegbarkeit. Genau gesehen, ist Wissenschaft ein von Widersprüchen geprägter Diskurs, bei welchem sich die überzeugendste Theorie solange hält, wie sie nicht widerlegt ist.

Die schweizerische Demokratie benötigt für die Ergänzung oder Erneuerung der grossen Linien das Volks- und das Ständemehr. Damit schützt sie die Minoritäten und fördert den „Kantönligeist“. Sie will keine Könige.

Was gegen die Ausbreitung von Corona getan werden soll, berät die Wissenschaft, berät die Task Force, empfehlen Ausschüsse, ordnen Exekutiven an. Sie alle berücksichtigen dabei die einschlägigen Gesetze und Verordnungen. Dieses System überlässt weder einer Fachschaft noch einer politischen Ebene das alleinige Sagen.

Die Suche nach Verantwortlichen für eine (fehlende) gelingende Antwort zu Corona führt darum zu eigenverantwortlichen Individuen. Hand aufs Herz, Eigenverantwortung ist in einer Krise nicht einfach zu erfüllen. Menschen möchten im Schosse eines Staates auf seinen Schutz zählen können, dafür müssten sie jedoch den gewählten Behörden vertrauen. – Vertrauen reduziert die Komplexität der Krise.

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen vertrauen den Verantwortlichen, welche dieses ihren Mitarbeitenden schon seit jeher rund um die Uhr weitergeben. Ohne Vertrauen wäre Pflege und Betreuung unbezahlbar. Pflegen und Betreuen würde ohne Vertrauen zu einem fortwährenden Dialog – es könnte kaum gehandelt, sprich gearbeitet werden. Chapeau!

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